Das Täuferreich von Münster sollte in Geschichtsbüchern mehr als eine Randnotiz sein:
Es ist ein sehr frühes und gut dokumentiertes Beispiel für das völlige Scheitern sozialistischer Planwirtschaft.
Ökonomische Wurzeln der Machtergreifung
Schon die Machtergreifung der "Wiedertäufer" ist oberflächlich zwar religiös motiviert, hat aber letztlich ökonomische Wurzeln: Zuvor war Münster (ungewöhnlich für eine Stadt dieser Zeit) quasi feudal von "Erbmännern" regiert, die den Stadtrat bildeten. Diese kamen aus traditionell katholischen Patrizierfamilien. Ausgehend von Handwerkern hat sich eine scheinbar religiös reformatorische Bewegung entwickelt, die schließlich im Februar 1534 die Macht über Münster erlangt.

Sofortmaßnahmen nach der Machtübernahme
Sie tut sofort was Commies (ohne dass es das Wort damals gab) halt so tun:
"Kulturrevolution": In einem Bildersturm wird sofort und unwiederbringlich fast alle alte Kunst vernichtet.
Zentrale Erfassung: Sofort werden alle Lebensmittelvorräte, Edelmetalle und Kleidung von "Diakonen" zentral inventarisiert und in Listen erfasst.
Die Abschaffung des Geldes
Gegen Frühsommer wird Geld verboten und sämtliche Edelmetalle und Schmuck konfisziert. Es gibt zentrale Zuteilungen von Gütern, aber noch keine vollständige Enteignung und noch Tauschhandel. Die Rationierung scheint gegen Herbst bereits sehr viel härter zu werden. Spätestens gegen Frühjahr 1535 scheint es faktisch keinerlei Privateigentum mehr zu geben.
Paradoxerweise wird das zuvor konfiszierte Edelmetall zur Prägung neuer Münzen verwendet, obwohl Geld in der Stadt verboten ist - die Herrscher versuchen damit Waffen und Söldner von außen zu bekommen, um eine Rückeroberung der Stadt zu verhindern.
Das Ende
Im Sommer 1535 kollabiert die Versorgung der Stadt vollends und der Fürstbischof von Waldeck kann die Stadt im Juni schließlich einnehmen und das Speedrun-Experiment im Frühkommunismus beenden.

Es soll über 60 Jahre dauern, bis Münster auch nur die alte Einwohnerzahl wieder erlangt.